Warum freundlich sein, wenn es auch anders geht?

Es gibt Leute, die sagen, ich könnte ruhig freundlicher über das Ruhrgebiet berichten. Ja, könnte ich, das stimmt. Aber ich mache es nicht. Warum nicht? Weil ich nicht will.

Warum sollte ich auch den Mist schreiben, den so genannte Lokalpatrioten gerne hören wollen, wenn es nicht meine eigene Überzeugung ist? Warum sollte ich jemandem hinten reinkriechen wollen, wenn ich es auch sein lassen kann?

Philosophieren beginnt, indem man Selbstverständliches in Frage stellt. Es ist selbstverständlich, Nettigkeiten über diese Region von sich zu geben. „Alles ist so toll, alles so prima! Und die Leute sind so offen und ehrlich“. In dieses doofe Geplapper stimme ich aber nicht ein. Das könnt ihr euch klemmen.

So toll und so prima ist es hier nämlich nicht, und offene und ehrliche Menschen findet man auch anderswo. Und überdies sehe ich, wenn ich durch die Straßen in Bochum und Dortmund gehe, gar nicht so viele fröhliche und freundliche Gesichter, sondern vielmehr Leute, denen man an ihren verhärmten Gesichtern den Frust ablesen kann, dem sie in ihrem ach so geliebten Ruhrpott tagtäglich ausgesetzt sind.

Eine Not ist eine Not, und keine Tugend. Und so muss man das Leben in dieser düsteren Region auch nicht schön reden – jedenfalls mache ich es nicht.

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